Kurzantwort: Bleirohre in der Trinkwasserinstallation geben Blei ans Wasser ab und sind gesundheitsschädlich - besonders für Kinder und Schwangere. In Hannover sind noch Altbauten betroffen. Seit 2021 gilt ein verschärfter Grenzwert von 0,01 mg/l; betroffene Leitungen müssen ausgetauscht werden.
Wo kommen Bleirohre vor?
Bleiwasserleitungen wurden in Deutschland bis Ende der 1970er Jahre verbaut, in einzelnen Bestandsgebäuden sogar bis in die 1980er. Betroffen sind vor allem Gebäude, die vor 1940 gebaut wurden - in Hannover sind das insbesondere Gründerzeitbauten in der Südstadt, der Nordstadt, Linden und der Calenberger Neustadt. Die Bleileitungen sitzen häufig in den letzten Metern vor der Zapfstelle: zwischen Stockwerksverteiler und Wasserhahn.
Wie erkenne ich Bleirohre?
Visuell
Blei ist weich, schwer und hat eine dunkelgraue, matte Oberfläche. Im Gegensatz zu Kupfer (rötlich-braun, hart) oder Stahl (silber, magnetisch) lässt sich Blei mit dem Fingernagel leicht einritzen.
- Sichtbare Leitungen im Keller oder in Schächten prüfen: Bleirohre haben keine scharfen Biegungen, sondern weiche geschwungene Kurven (da das Material formbar ist).
- Anschlüsse an älteren Armaturen zeigen manchmal noch die Bleilötung.
- Mit einem Magneten prüfen: Blei ist nicht magnetisch, Stahl schon.
Wasseranalyse
Am sichersten ist eine akkreditierte Wasserprobe. Dazu wird nach mindestens 4 Stunden Stagnation (Entnahme ohne vorheriges Spülen) eine Probe aus dem Wasserhahn gezogen und im Labor auf Blei analysiert. Laborkosten: ca. 30-80 Euro. Das Umweltamt der Region Hannover oder akkreditierte Labore führen solche Analysen durch.
Gesundheitsrisiko Blei im Trinkwasser
Blei ist ein kumulatives Nervengift. Es reichert sich im Körper an und ist besonders schädlich für:
- Säuglinge und Kleinkinder (Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung)
- Schwangere (Blei überwindet die Plazentaschranke)
- Personen mit erhöhtem Wasserkonsum
Für Erwachsene gilt zwar eine gewisse Toleranz, aber es gibt keinen bekannten sicheren Grenzwert. Die EU und die deutsche Trinkwasserverordnung haben den Grenzwert seit 2021 auf 0,01 mg Blei pro Liter gesenkt (vorher 0,025 mg/l).
Pflichten für Eigentümer in Hannover
Vermieter und Eigentümer sind nach der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) verpflichtet, die Trinkwasserinstallation in einem hygienisch einwandfreien Zustand zu halten. Werden Bleileitungen festgestellt, die den Grenzwert überschreiten:
- Pflicht zur unverzüglichen Information der Mieter
- Ggf. Nutzungseinschränkung (kein Trinkwasser aus der betroffenen Leitung)
- Sanierungspflicht innerhalb einer vom Gesundheitsamt gesetzten Frist
Sanierung: Austausch oder Übergangslösung?
Rohraustausch
Der sicherste und einzig dauerhafte Weg ist der vollständige Austausch der Bleileitung gegen Kupfer, Edelstahl oder Kunststoff. Je nach Zugänglichkeit und Länge der betroffenen Strecke kostet das 500 bis 3.000 Euro pro Wohnung. In Altbauten mit aufwendiger Installation sind höhere Kosten möglich.
Übergangslösung: Spülen und Filtern
Bis zur Sanierung empfehlen Gesundheitsbehörden:
- Wasserkocher und Trinkwasser mindestens 30 Sekunden spülen lassen, bevor es zum Trinken oder Kochen verwendet wird - so wird das stagnierte Bleiwasser aus der Leitung gespült.
- Zertifizierte Wasserfilter (Kannenfilter mit Blei-Zertifizierung nach NSF 53 oder DIN EN 15975) können die Belastung senken - aber nicht vollständig eliminieren und müssen regelmäßig gewechselt werden.
Beide Maßnahmen sind Übergangslösungen, kein dauerhafter Ersatz für den Rohraustausch.
Fördermöglichkeiten
In manchen Bundesländern und Kommunen gibt es Förderprogramme für die Sanierung von Bleileitungen. Informieren Sie sich bei der Region Hannover oder bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) - das Bundesförderprogramm für energieeffiziente Gebäude schließt zum Teil auch Trinkwasserinstallationen ein.
Fazit
Bleirohre in Hannoveraner Altbauten sind ein echtes Gesundheitsrisiko. Wer in einem alten Gebäude wohnt oder vermietet, sollte die Leitungen prüfen und im Zweifelsfall eine Wasserprobe veranlassen. Der Austausch schützt Mieter dauerhaft und schafft Rechtssicherheit für Eigentümer.